Was ist das Microsoft Agent Framework? Einführung für Schweizer KMU

Microsoft Agent Framework einfach erklärt: was das Open-Source-SDK ist, warum es Semantic Kernel ablöst — und was Schweizer KMU jetzt wissen müssen.

Fachwerkmodell aus Holz im Rohbau mit gespannter blauer Richtschnur und daneben gestapelten Balken
11 Min. Lesezeitvon Adrian Stauffer · Gründer von PowerLeap
COPILOT & AGENTEN
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Inhalt
  1. 01Was ist das Microsoft Agent Framework?
  2. 02Was ist aus Semantic Kernel und AutoGen geworden?
  3. 03Ist das Microsoft Agent Framework kostenlos?
  4. 04Agent, Thread, Workflow: die drei Begriffe, die Sie kennen müssen
  5. 05Was ist der Unterschied zum Foundry Agent Service und zu Copilot Studio?
  6. 06Was heisst das für Schweizer KMU?
  7. 07Fazit: pilotieren, nicht wetten

Wer 2026 nach «Microsoft Agent Framework» sucht, findet fünf Produkte mit ähnlichen Namen: Agent Framework, Foundry Agent Service, Copilot Studio, Microsoft 365 Agents SDK, Agent 365. Diese Verwirrung ist nicht eingebildet, sondern dokumentiert. Forbes überschrieb seine Analyse im April 2026 mit «Microsoft's Agent Stack Confuses Developers While Rivals Simplify», und im Semantic-Kernel-Repository heissen zwei Diskussionen wörtlich «Semantic Kernel will be deprecated?» und «The Future?». Selbst Entwickler, die täglich damit arbeiten, sind sich also nicht sicher, worauf sie noch bauen dürfen.

Die Antwort dieses Artikels in einem Satz: Das Microsoft Agent Framework ist seit Anfang April 2026 die einzige Zukunftslinie für selbst gebaute Agenten im Microsoft-Stack; Semantic Kernel und AutoGen sind Wartungsgleise, und alles andere, was ähnlich heisst, ist ein anderes Produkt. Der Rest ist Einordnung: was aus Semantic Kernel wird, was es kostet und ab wann sich ein Schweizer KMU überhaupt damit befassen muss.

Was ist das Microsoft Agent Framework?

Das Microsoft Agent Framework ist ein Open-Source-SDK (MIT-Lizenz), mit dem Entwickler KI-Agenten und Multi-Agenten-Workflows in Python und C# bauen. Es ist seit Anfang April 2026 allgemein verfügbar und löst Semantic Kernel und AutoGen als Microsofts einzige Weiterentwicklungslinie ab. Es ist kein fertiges Produkt wie Copilot, sondern Code, den jemand schreiben und betreiben muss.

Konkret installieren Entwickler es wie jede andere Programmbibliothek, mit einer Zeile: pip install agent-framework

Diese Zeile ist der schnellste Beweis für die Natur der Sache: Entwicklerwerkzeug aus dem Paketmanager, keine Software mit Login-Maske. Unterstützt sind Python und C#, mit bewusst einheitlichen APIs in beiden Sprachen. «Framework» bedeutet hier schlicht Programmbibliothek. Nicht Laufzeitumgebung, nicht Produkt.

Was liegt konkret in diesem Paket? Die GA-Ankündigung nennt vier Baugruppen, die ein Entwicklungsteam sonst selbst zusammensetzen müsste:

  • Agenten und ihre Orchestrierung: vom einzelnen Assistenten bis zum Multi-Agenten-System, in dem mehrere Agenten einander zuarbeiten.
  • Graphbasierte Workflows: mehrstufige Abläufe mit Bedingungen und paralleler Ausführung, die Zwischenstände sichern und nach Unterbrüchen wiederaufsetzen.
  • Middleware und Leitplanken: Protokollierung, Inhaltssicherheit und Compliance-Filter greifen in den Ablauf ein, ohne dass dafür Prompts umgeschrieben werden.
  • Offene Anschlüsse: native Konnektoren für mehrere Modellanbieter, das Model Context Protocol (MCP), über das Agenten externe Werkzeuge entdecken, der A2A-Standard für die Zusammenarbeit mit Agenten aus fremden Frameworks, austauschbare Speicher für den Gesprächsverlauf.

Ebenso aufschlussreich ist, was nicht in der Schachtel liegt: keine Benutzeroberfläche, kein Hosting, keine Verwaltungskonsole, keine Benutzerverwaltung. Support und Zertifizierungen hängen an den Diensten dahinter, nicht an der Bibliothek; dazu später mehr. Genau das meint der Satz, es sei Code, den jemand schreiben und betreiben muss.

Zur Zeitlinie: Die öffentliche Preview startete am 1. Oktober 2025, die Version 1.0 folgte Anfang April 2026. Microsoft verspricht seither stabile Schnittstellen und langfristigen Support. Die MIT-Lizenz gehört zu den freizügigsten der Branche: Sie dürfen den Code kommerziell nutzen, verändern und weiterverteilen, ohne Lizenzgebühren an Microsoft.

Was Entwickler damit bauen, sind Agenten für konkrete Arbeitsschritte: eine Dokumentenprüfung, die Fundstellen belegt, eine Recherche über interne Quellen, ein mehrstufiger Freigabeprozess. Für Sie als Entscheidungsträger reicht deshalb vorerst ein Satz: Offeriert Ihnen ein Anbieter einen «Agenten auf dem Microsoft Agent Framework», offeriert er Individualentwicklung, kein konfigurierbares Produkt.

Was ist aus Semantic Kernel und AutoGen geworden?

Semantic Kernel und AutoGen sind seit dem 1.0-Release des Microsoft Agent Framework im Wartungsmodus: Sie erhalten Bug- und Sicherheitsfixes, aber keine neuen Funktionen. Microsoft empfiehlt eine Migration innerhalb von etwa 6 bis 12 Monaten, erzwingt sie aber nicht; ein hartes Abschaltdatum gibt es nicht.

Die Vorgeschichte in Kurzform: AutoGen entstand 2023 bei Microsoft Research als Experimentierfeld für Multi-Agenten-Muster, also für Systeme, in denen mehrere Agenten einander zuarbeiten. Semantic Kernel wurde im selben Jahr als unternehmenstaugliches SDK positioniert und trug jahrelang die produktiven Installationen. Zwei Werkzeuge, zwei Teams, überlappender Zweck; auf Dauer konnte Microsoft nicht beide weiterentwickeln. Mit der Ankündigung vom Oktober 2025 legte Microsoft beide Teams zusammen; das Agent Framework ist ihr gemeinsames Nachfolgeprodukt, das die Multi-Agenten-Muster von AutoGen mit dem Unternehmensfundament von Semantic Kernel verbindet. Nüchtern festzuhalten bleibt: Das ist bereits der zweite Umbau dieser Werkzeuglinie innert zwei Jahren.

Zeitstrahl: AutoGen und Semantic Kernel (2023) fliessen im Oktober 2025 zusammen und münden im April 2026 in das Agent Framework 1.0; beide Vorgänger laufen als Wartungsgleise weiter
Zwei Werkzeuglinien, ein Nachfolger: AutoGen und Semantic Kernel laufen seit dem 1.0-Release nur noch als Wartungsgleise weiter.

Was «Wartungsmodus» offiziell bedeutet, steht in der Mitteilung des Semantic-Kernel-Teams: Fehler- und Sicherheitskorrekturen ja, neue Funktionen nein, «no breaking changes planned» für bestehende Installationen. Wartungsgleis heisst also nicht tot. Bestehender Semantic-Kernel-Code läuft weiter, und niemand zwingt Sie, morgen umzubauen.

Trotzdem sitzt der Stachel bei denen, die investiert haben. In der GitHub-Diskussion «The Future?» schreibt ein kommerzieller Semantic-Kernel-Entwickler:

We invested time and effort building on it … just as we've reached a stable point, Microsoft announces it won't be developed further.
KSKommerzieller Semantic-Kernel-EntwicklerGitHub-Diskussion «The Future?»

Ehrlicher lässt sich die Lage kaum zusammenfassen: Der Übergang ist geordnet, aber er ist real. Daraus folgen zwei Konsequenzen:

  1. 1Neue Projekte: Jedes neue Agenten-Projekt im Microsoft-Stack startet auf dem Agent Framework; ein Anbieter, der Ihnen 2026 noch ein neues Projekt auf Semantic Kernel offeriert, schuldet Ihnen eine sehr gute Begründung.
  2. 2Bestehende Investitionen: Sie brauchen keinen Notfallplan, sondern einen Migrationsplan. Microsoft liefert dafür offizielle Migrationsleitfäden, die die alten Konzepte den neuen zuordnen; der Umbau ist damit Handwerk, kein Neuanfang. Wie Sie ihn trotz Microsofts Release-Tempo stabil aufsetzen, ist ein eigenes Thema.

Ist das Microsoft Agent Framework kostenlos?

Ja, das Microsoft Agent Framework selbst ist Open Source unter MIT-Lizenz und kostet nichts. Kosten entstehen durch die Modelle und Dienste, die der Agent aufruft, etwa Azure OpenAI oder den Foundry Agent Service, sowie durch die Entwickler, die ihn bauen und betreiben. Die Budgetfrage verschiebt sich damit von der Lizenz zur Architektur.

Für die Budgetplanung zählt deshalb die Dreiteilung:

  1. 1Konsumkosten: Jeder Aufruf eines Sprachmodells kostet, und ein fleissig genutzter Agent tut das täglich hunderte Male.
  2. 2Entwicklungsaufwand: Ein eigener Agent ist Individualsoftware mit allem, was dazugehört.
  3. 3Betrieb: Jemand muss Updates einspielen, Fehler analysieren und Kosten überwachen.

Der Lizenzpreis von null Franken ist der kleinste dieser drei Posten. Ein produktspezifisches Support-Abkommen existiert übrigens nicht; Support läuft über die allgemeinen Azure- beziehungsweise Microsoft-Verträge. Wie sich die verschobene Budgetfrage konkret rechnet, zeigt ein eigener Artikel zu den tatsächlichen Kosten von Microsoft AI Agents.

Beim Stichwort «Open Source» gehört eine Nuance auf den Tisch. Die Modellwahl ist echt offen: Laut der offiziellen Ankündigung verbindet sich das Framework nativ mit Azure OpenAI, OpenAI, Anthropic Claude, Amazon Bedrock, Google Gemini und Ollama, darunter mehrere Anbieter ausserhalb der Microsoft-Welt. Nur führen die attraktivsten Komfortfunktionen, etwa verwaltetes Hosting oder der verwaltete Unternehmens-Speicher, zurück zu bezahlten Azure-Diensten. «Open Source, also kein Lock-in» stimmt darum nur an der Oberfläche. Meine Einschätzung: Die Offenheit ist real genug, um Verhandlungsspielraum zu schaffen, aber wer den bequemsten Weg geht, landet bei Azure.

Agent, Thread, Workflow: die drei Begriffe, die Sie kennen müssen

Drei Begriffe reichen, um einer Architekturfolie oder einem Anbietergespräch folgen zu können.

BegriffWas es istWarum es Sie interessiert
AgentEin Sprachmodell plus Anweisungen plus Werkzeuge (etwa Suche oder Datenbankzugriff) als wiederverwendbare EinheitDie Grundeinheit, die ein Entwickler baut und die Sie später testen und abnehmen
Thread (Session)Der explizit verwaltete Gesprächszustand: was bisher gefragt und entschieden wurdeZustand liegt nicht «einfach da», sondern wird bewusst gespeichert; wo, ist eine Datenresidenz- und Betriebsfrage
WorkflowEin Ablaufgraph aus mehreren Agenten und Funktionen, mit Zwischenspeicherung und Pausen für menschliche FreigabeHier entsteht der Geschäftswert: mehrstufige Prozesse, die nach Unterbrüchen weiterlaufen und vor heiklen Schritten anhalten

Bemerkenswert ist das Thread-Konzept: Agenten im Agent Framework sind von Haus aus zustandslos. Der Migrationsleitfaden macht das explizit; wer von Semantic Kernel kommt, verliert den automatisch mitgeführten Gesprächsverlauf und übergibt den Zustand neu bei jedem Aufruf. Für Entwickler ist das eine Umstellung. Für Sie ist es eine erfreuliche Klarheit: Es gibt einen definierten Ort, an dem der Gesprächszustand liegt, und damit einen definierten Adressaten für die Fragen nach Berechtigungen und Löschfristen.

Workflows wiederum sind der Teil, der aus einem Chat-Experiment einen Geschäftsprozess machen kann. Die Workflow-Dokumentation beschreibt Abläufe, die über Stunden oder Tage laufen, Zwischenstände sichern und an definierten Punkten auf eine menschliche Freigabe warten. Fällt ein Ablauf aus, setzt er am letzten gesicherten Zwischenstand wieder auf, statt von vorn zu beginnen. Ein Kreditantrag, der drei Prüfschritte durchläuft und beim zweiten auf die Sachbearbeiterin wartet: Das ist ein Workflow im Sinn des Frameworks. Der Unterschied zum blossen Chatbot liegt genau hier, in Zustand, Wiederaufnahme und eingebauten Prüfschritten.

Für Leser mit Semantic-Kernel- oder AutoGen-Vorwissen die Brücke in einem Satz: Aus invoke wird run, aus @kernel_function wird @tool; die Konzepte bleiben verwandt, die Namen nicht.

Was ist der Unterschied zum Foundry Agent Service und zu Copilot Studio?

Copilot Studio ist das Low-Code-Werkzeug, für das Sie keine Entwickler brauchen. Der Foundry Agent Service ist die verwaltete Laufzeitumgebung, die fertige Agenten hostet und betreibt. Das Microsoft Agent Framework ist der Code, den Ihre Entwickler schreiben. Alle drei klingen ähnlich, beantworten aber drei verschiedene Fragen: Wer schreibt den Code? Wer hostet ihn? Wer betreibt ihn?

Die drei Ebenen konkurrieren nicht, sie stapeln sich. Derselbe Agent-Framework-Code kann heute direkt eine Modell-API aufrufen und später als Container im Foundry Agent Service betrieben werden. «Selbst hosten oder verwalten lassen» ist also keine Einbahnstrasse.

Drei-Ebenen-Diagramm: Copilot Studio als Low-Code-Ebene, darunter der Foundry Agent Service als Laufzeit, zuunterst das Agent Framework als Code-Ebene
Drei Ebenen, drei Fragen: Copilot Studio (wer klickt?), Foundry Agent Service (wer hostet?), Agent Framework (wer schreibt den Code?).

Der Preis der Code-Ebene ist der Bau- und Betriebsaufwand; ihr Gewinn ist Kontrolle. Ein Low-Code-Werkzeug kauft Geschwindigkeit mit Vorgaben: Sie konfigurieren, was das Werkzeug vorsieht, und stossen an Grenzen, wo Ihr Prozess davon abweicht. Mit den Baugruppen des Agent Framework bestimmt Ihr Code die Regeln: welcher Prüfschritt an welcher Stelle greift, welches Modell antwortet, wo Zustand und Daten liegen.

Dass die Namen trotzdem laufend verwechselt werden, liegt nicht an Ihnen. (Microsofts Namensabteilung leistet hier ganze Arbeit.) Forbes attestiert Microsofts Agenten-Stack, er erstrecke sich über «too many surfaces», während die Konkurrenz vereinfache. Weitere ähnlich klingende Produkte wie das Microsoft 365 Agents SDK und Agent 365 lasse ich hier bewusst weg; die vollständige Landkarte zeichnet ein eigener Artikel, der Microsofts Agenten-Stack entwirrt.

Ich baue selbst ein Agenten-Produkt auf dieser dritten Ebene, und auf die Frage «Ist das nicht einfach Copilot?» antworte ich so: Der Unterschied liegt nicht im Chat-Fenster, sondern in allem darum herum. Ein eigener Agent belegt seine Antworten bis zur Textpassage in der Quelle, arbeitet mit den Berechtigungen des angemeldeten Nutzers statt mit einem Dienstkonto mit Vollzugriff, hält Zustand über Sitzungen hinweg und wartet vor heiklen Schritten auf eine Freigabe. Copilot ist Assistenz im Chat. Ein eigener Agent ist ein kontrollierter Arbeitsschritt in Ihrem Prozess.

Was heisst das für Schweizer KMU?

Das Microsoft Agent Framework ist nichts, was ein Schweizer KMU «einführt». Es ist Code, den jemand schreiben und betreiben muss. Relevant wird es erst dort, wo Low-Code-Werkzeuge wie Copilot Studio nachweislich zu klein sind. Die Voraussetzung ist dann keine Lizenz, sondern Entwicklerkapazität, intern oder extern.

Die Prüfreihenfolge ist deshalb wichtiger als jeder Funktionsvergleich:

  1. 1Reicht Copilot Studio für den konkreten Fall? Solange die Antwort Ja lautet, ist das Agent Framework für Sie ein Fachbegriff, kein Budgetposten. Woran Sie ein Nein erkennen, zeigen die acht Signale unten.
  2. 2Falls nein: Gibt es Python- oder C#-Entwicklerkapazität, intern oder über einen Partner? Ohne sie bleibt jede weitere Diskussion theoretisch.
  3. 3Erst jetzt wird das Agent Framework zur relevanten Option, als Werkzeug dieser Entwickler.

Woran erkennen Sie, dass Copilot Studio nicht mehr reicht? Acht Signale aus der Praxis; schon eines davon genügt, um die Frage ernsthaft zu stellen:

  • Zustand über Tage: Der Ablauf läuft über Stunden oder Tage, muss Unterbrüche überstehen und am letzten Zwischenstand wiederaufsetzen — nicht nur Frage und Antwort im Chat.
  • Belegbare Antworten: Jede Antwort muss sich bis zur Textpassage in der Quelle zurückverfolgen lassen, und die Antwortqualität muss messbar sein, bevor etwas in den Betrieb geht.
  • Nutzer-Berechtigungen: Der Agent muss mit den Rechten der angemeldeten Person arbeiten und darf nie mehr sehen als sie selbst — nicht mit einem Dienstkonto, das alles sieht.
  • Eigene Leitplanken: Compliance-Filter, Protokollierung und Prüfschritte müssen mitten im Ablauf greifen, nicht nur als Bitte im Prompt stehen.
  • Freie Modellwahl: Das passende Modell stammt nicht aus Microsofts Katalog — etwa Claude, Gemini oder ein selbst betriebenes Modell.
  • Integrationstiefe: Eigene Werkzeuge, mehrere zusammenarbeitende Agenten oder ein Agent, der in Ihrem Produkt statt in einem Chat-Fenster lebt.
  • Volumen und Kosten: Bei hohem Nachrichtenvolumen kann die Lizenzierung pro Nachricht teurer werden als Konsumkosten auf dem eigenen Stack — das verdient eine ehrliche Rechnung.
  • Datenresidenz: Sie müssen bestimmen, wo Gesprächszustand und Dokumente physisch liegen, statt die Voreinstellungen der Plattform zu akzeptieren.
Entscheidungsdiagramm: Trifft eines der acht Signale zu — Zustand über Tage, belegbare Antworten, Nutzer-Berechtigungen, eigene Leitplanken, freie Modellwahl, Integrationstiefe, Volumen und Kosten oder Datenresidenz? Wenn nein, reicht Copilot Studio; wenn ja und Entwicklerkapazität vorhanden ist, wird das Agent Framework relevant
Acht Signale entscheiden über den Wechsel: Trifft keines zu, reicht Copilot Studio; trifft eines zu und Entwicklerkapazität existiert, wird das Agent Framework relevant.

Der teuerste Irrtum ist, diese Reihenfolge zu überspringen und das Framework wie ein Produkt zu evaluieren. Es wird über den Paketmanager verteilt, kennt keine Preisliste und keine Mandantenverwaltung; wer Lizenzvergleiche anstellt, vergleicht am Gegenstand vorbei.

Die Namensvielfalt aus der Einleitung hat dafür einen praktischen Nutzen: Sie ist ein kostenloses Prüfverfahren für Offerten. Stellen Sie zu jedem angebotenen «Agenten-Projekt» drei Fragen: Wer schreibt den Code? Wer hostet die Laufzeit? Wer betreibt das System nach dem Go-live? Ein Anbieter, der die drei Ebenen sauber auseinanderhält, hat seine Offerte zu Ende gedacht. Einer, der sie verwischt, verdient Nachfragen, bevor er Budget verdient.

Bleibt die Frage nach Compliance und Datenresidenz. Sie verschwindet mit dem Agent Framework nicht, sie verschiebt sich. Für die Bibliothek selbst existieren keine Zertifizierungen; SOC 2 und ISO 27001 greifen auf der Ebene der Azure-Plattform. Ob Daten die Schweiz verlassen, entscheidet also nicht das Framework, sondern die Wahl von Region, Modell und Hosting dahinter. Für ein Treuhandbüro oder eine Kanzlei gehört genau diese Frage in jede Offerte.

Damit das Zielbild greifbar wird: In einem 50-Personen-Betrieb kann es so aussehen. Copilot Studio beantwortet weiterhin die Standardfragen der Mitarbeitenden. Für den einen dokumentenlastigen Prozess, an dem Low-Code gescheitert ist, schreibt ein Partner einen Agenten auf dem Agent Framework: Er zieht Dokumente mit den Berechtigungen des jeweiligen Nutzers, erstellt eine belegte Zusammenfassung und legt sie erst nach menschlicher Freigabe ab. Kein Umbau der Firma. Ein zusätzlicher, verlässlicher Arbeitsschritt.

Fazit: pilotieren, nicht wetten

An der Richtung gibt es nichts zu deuteln: Neue, selbst gebaute Agenten im Microsoft-Stack starten auf dem Microsoft Agent Framework, denn eine andere Weiterentwicklungslinie existiert nicht.

Am Tempo hingegen schon. Version 1.0 kam nach nur sechs Monaten Preview; seither erscheinen Punkt-Releases fast wöchentlich, die C#-Bibliothek steht Anfang Juli 2026 bei Version 1.13, die Python-Variante bei 1.10, und im Repository sind gut 500 Issues offen, drei Monate nach dem 1.0-Release. Einzelne Änderungen tragen selbst in Punkt-Releases die Markierung «BREAKING», und die BUILD-2026-Neuerungen sind noch nicht alle stabil. Dazu die Vorgeschichte: der zweite Framework-Umbau in zwei Jahren, dessen letzte Runde verunsicherte Nutzer öffentlich dokumentiert haben.

Daraus folgt keine Warnung, sondern eine Dosierung: 2026 ist das Jahr, um das Agent Framework in einem begrenzten Piloten zu erproben, mit sauberen Abstraktionsgrenzen gegen das Release-Tempo, nicht das Jahr, um das Kerngeschäft darauf zu wetten. Pilotieren Sie, beobachten Sie die Release-Kadenz, und entscheiden Sie dann.

Portrait von Adrian Stauffer, Gründer von PowerLeap

ÜBER DEN AUTOR

Adrian Stauffer · Gründer und Geschäftsführer

Adrian Stauffer ist Gründer von PowerLeap und begleitet Schweizer KMU von der KI-Idee bis in den Betrieb – mit über 15 Jahren Corporate-Controlling-Erfahrung, Microsoft-Stack-Tiefe von Copilot bis Foundry und täglicher eigener Entwicklung an produktiven KI-Systemen.

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